Die Methode des IFS (Internal Family System) nach Prof. Richard Schwartz

Diesen innovativen und praxisorientierten Ansatz hat Richard Schwartz bereits in den 1980er Jahren in den USA entwickelt. Er überträgt das Konzept der systemischen Therapie auf die „innere Welt“ des Einzelnen.

Das IFS-Modell geht davon aus, dass jeder Mensch über Persönlichkeitsanteile verfügt und dass diese Anteile einer Person ähnlich miteinander interagieren, wie Familienmitglieder dies miteinander tun.
Sicher haben auch Sie schon die Erfahrung gemacht, dass wir in unterschiedlichen Lebenssituationen über verschiedene Kompetenzen verfügen – und zugleich über Schwächen, die wir uns selbst so richtig nicht erklären können. Wann waren Sie zuletzt ärgerlich oder sogar wütend, weil Sie sich jetzt schon wieder so verhalten haben, wie Sie es doch eigentlich nicht mehr tun wollten? Mit dem ISF-System können Sie mit Ihren verschiedenen Persönlichkeitsanteilen in Dialog treten und (oft ungewöhnliche) Lösungen finden.

Der Ansatz der „Persönlichkeitsanteile“ hat eine lange Tradition: Sigmund Freud unterschied und benannte die Begrifflichkeiten des „Es, Ich und Über-Ich“. Virginia Satir entwickelte die Idee des Zusammenwirkens verschiedener Teile einer Person, welche sie zu der therapeutischen Arbeit mit der „parts party“ inspiriert hat. Gunther Schmidt aus Heidelberg hat die hypnotherapeutische Arbeit mit dem „inneren Klienten“ entwickelt, in welchem es verschiedene Stimmen gibt, die unterschiedliche Ideen, Wünsche, Meinungen und Forderungen haben und sich in schwierigen Situationen gegenseitig blockieren oder sogar handlungsunfähig machen.

Richard Schwartz geht in seinem Ansatz davon aus, dass die Entwicklung unserer persönlichen Teile unterschiedlicher Herkunft sind: Es gibt Teile, die durch traumatische Erfahrungen entstanden sind und anderer Teile, die wir später zu unterschiedlichen Zeitpunkten unseres Lebens entwickelt haben. Letztere sorgen dafür, dass wir die aus traumatischen Erfahrungen entstandenen Teile nicht spüren müssen – sie unterstützen uns dabei, unseren Lebensanforderungen gerecht zu werden.

In der therapeutischen Arbeit geht es darum, all diese Teile über unsere Gefühle, Gedanken und Körperempfindungen kennen zu lernen, wahrzunehmen und zu würdigen und durch diesen Kontakt wieder handlungsfähig zu werden. Dabei geht Richard Schwartz davon aus, dass wir über einen „unverletzbaren inneren Kern – unser Selbst“ verfügen, der uns bei dieser Arbeit unterstützt und zugleich Zentrum unseres Seins ist. Unser Selbst befähigt uns, das Vertrauen in unsere eigenen Stärken und damit unsere Selbstführung wieder zu entdecken und zu kräftigen. In den buddhistischen Traditionen zeigt sich diese spirituelle Qualität in Mitgefühl, Klarheit, Ruhe und Zuversicht.

IFS ist eine hypnotherapeutisch-systemische Methode, die es Klient/-innen ermöglicht, mit sich selbst und dem eigenen Innenleben in Kontakt zu treten. Der bewusste innere Dialog mit den inneren Teilen setzt bei vielen Menschen Bilder, Empfindungen und neue, überraschende Ansichten frei. Durch die bewusste Verbindung mit dem Selbst können Persönlichkeitsanteile entlastet und beruhigt werden – eine tiefe innere Heilung kann entstehen und damit nachhaltige Veränderungen, die sich in unserem Alltag und in unseren Beziehungen widerspiegeln.

Literaturtipps:

  • Early, Jay: Meine innere Welt verstehen, Kösel-Verlag, ISBN 978-3-466-31004-3
  • Holmes, Tom: Reisen in die Innenwelt, Kösel-Verlag, ISBN 978-3-466-30881-1
  • Schwartz, Richard: Systemische Therapie mit der inneren Familie, Leben Lernen Verlag Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-89068-6
  • Schwartz, Richard: IFS – Das System der Inneren Familie, IFS-Europe e.V., ISBN 0-9721480-0-0