Begleitung verwaister Eltern – Eltern von Sternenkindern

Wenn ein Kind während der Schwangerschaft oder nach der Geburt, durch die Folgen einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls stirbt, bleiben Mütter und Väter nach den ersten Wochen der Anteilnahme in ihrer Trauer häufig allein.

Viele fühlen sich einsam und ringen mit Schuldgefühlen. Sie wünschen sich, das Erlebte so schnell wie möglich zu vergessen, wieder in das „normale Leben“ zurückkehren zu können. Der Umgang mit Geschwisterkindern ist von der Trauer um das verstorbene Kind geprägt; oft wissen Eltern nicht, wie sie den lebenden Kindern und Menschen in ihrer Umgebung begegnen sollen.

Selbsthilfegruppen für Eltern und Geschwister sind ein guter Ort, um die Trauer und die Erfahrungen mit anderen Betroffenen teilen zu können. Manchmal aber reicht dieser Austausch nicht aus: Mitunter haben Hinterbliebene den Eindruck, dass sie in ihrem Selbstheilungsprozess feststecken, dass das andere – normale – Leben nicht mehr existiert. Hier kann eine individuelle Psychotherapie hilfreich sein.

Ich begleite Sie nach dem Verlust Ihres Kindes, unabhängig davon, unter welchen Umständen Sie Ihr Kind verloren haben.

Einzel– und / oder Paartherapie ist sinnvoll, wenn

  • Sie niemanden mehr finden, der Sie so annimmt, wie Sie jetzt sind.
  • Sie (als Paar) nicht mehr über das Erlebte reden können.
  • Sie (innerlich) vereinsamen.
  • Schuldgefühle beginnen, Ihr Leben zu dominieren.
  • Sie den Eindruck bekommen, dass das Erlebte die Beziehung zu Ihren lebenden Kindern, Ihren Angehörigen oder Ihrem sozialen Umfeld übermäßig beeinflusst.
  • Sie sich auch nach vielen Jahren weiterhin in Ihrem Erlebten gefangen fühlen.

Schreiben Sie mir gern eine E-Mail oder hinterlassen Sie mir eine Nachricht unter Tel.: 030 – 20 25 65 27. Ich melde mich sobald wie möglich bei Ihnen.

Immer noch wird viel zu wenig in der Öffentlichkeit über den Verlust eines Kindes gesprochen. Selten finden wir – außerhalb spezieller Selbsthilfeforen – Spuren im öffentlichen Leben, die zeigen: Wir sind nicht die einzigen, die betroffen sind. Der Musik-Kabarettist Bodo Wartke erzählt in seinem Lied „Christine“ von dem Tod seiner Schwester. Für die Erlaubnis zur Veröffentlichung bedanke ich mich herzlich.

Christine

Ich erinner mich nicht mehr. Ich war noch zu klein.
Ich war gerade einmal drei und der Ält’re von uns zweien.
Drei Jahre scheint wie ein beträchtlicher Betrag
zu dir im Vergleich, denn du wurdest nur einen Monat und einen Tag.
Dass es passieren würde, war im Grunde klar
und von Anfang an absehbar,
trotzdem brach es über uns herein wie eine Lawine.
Ich hab dich nie gesehn,
Christine.

Als Mama an dem Tag nach Hause kam,
nahm sie mich wortlos in den Arm
und ich saß stundenlang auf ihrem Schoß.
Sie hielt mich fest und sie ließ mich seitdem nicht mehr los.
Man macht trotz aller Melancholie
so gut es geht im Leben eben irgendwie
zum bösen Spiel gute Miene,
funktioniert wie eine Maschine,
sucht Halt in Gestalt von alltäglicher Routine,
wahrt die äuß’re Fassade, doch ist innerlich Ruine.
Du fehlst uns,
Christine.

Ab und zu frag ich mich: was wäre wenn?
Wie es wohl wär, dich hier zu haben, wie es wohl wär, dich zu kenn’.
Was glaubst du, wie sehr wären wir einander gleich?
Wo wärst du jetzt? Wie wärst du heute? Vielleicht
hättest du die Dickköpfigkeit von unserem Vater
oder machtest ab und zu genau wie ich Theater,
höchst wahrscheinlich wärst du eine ziemlich flotte Biene,
wie unsere Mutter früher,
Christine.

„Haben Sie Geschwister?“, werd ich manchmal gefragt.
Nein, ich sei Einzelkind, hab ich früher immer gesagt.
Dabei war das ja aber eigentlich gar nicht wahr:
Ich hab eine Schwester.
Die ist zwar nicht mehr hier. Aber sie ist da.

 

Text und Musik: Bodo Wartke
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